Die Ethereum-Blockchain lebt – wie alle öffentlichen Blockchains – davon, dass viele Knoten am Netzwerk teilnehmen und Kopien der Kette vorhalten und validieren (siehe Teil 1). Um eine Blockchain nur zu benutzen, ohne sich an diesem „Mining“ zu beteiligen, muss man allerdings keinen solchen Ethereum-Knoten betreiben. Wer lediglich Ether (ETH) handeln möchte, braucht nur eine Wallet-Applikation. Die erlaubt Ether zu senden und zu empfangen und kümmert sich um die Verwaltung der nötigen öffentlichen Adressen und privaten kryptografischen Schlüssel.

Besonders einsteigerfreundlich ist die Browser-Erweiterung MetaMask, die es für Chrome und Firefox gibt. Leider ist die deutsche Übersetzung des Add-ons unvollständig und nicht immer fehlerfrei. Installieren Sie MetaMask aus dem Store Ihres Browsers und folgen Sie den Anweisungen, um ein Wallet (und automatisch auch ein Ether-Konto, einen „Account“) anzulegen und per Passwort zu schützen.

Das Browser-Add-on MetaMask ist ein übersichtliches und einsteigerfreundliches Wallet.
Das Browser-Add-on MetaMask ist ein übersichtliches und einsteigerfreundliches Wallet.

Wichtig: Das Wallet ist komplett lokal; Sie müssen sich nirgendwo mit einer E-Mail-Adresse oder anderen persönlichen Daten registrieren. Allerdings ist auch das gespeicherte Geld futsch, wenn Sie Ihr Passwort vergessen! Sie sollten daher einen Passwortmanager benutzen und darin eine Sicherheitskopie des von MetaMask generierten Wiederherstellungscodes speichern.

Erste Schritte mit Ethereum

Jetzt brauchen Sie noch etwas Startkapital. Um dieses nicht gleich für echtes Geld kaufen zu müssen, kann man in MetaMask auf ein Testnetzwerk wechseln. Klicken Sie dazu oben rechts auf „Ethereum Main Net“ und wählen Sie das „Ropsten Testnetzwerk“.

Neben der Blockchain mit echtem Geld, dem
Neben der Blockchain mit echtem Geld, dem „Ethereum Main Net“, unterstützt MetaMask eine Reihe von Testnetzwerken, die sich für Experimente eignen.

Unter der Adresse https://faucet.ropsten.be kann man sich wertlose Test-Ether für das Ropsten-Netzwerk besorgen. Weil diese Ether einfach so fließen, wird das Konzept als „Wasserhahn“ (Englisch: „faucet“) bezeichnet.

Um einen Test-ETH zu erhalten, braucht man zunächst die eigene Ethereum-­Adresse. In MetaMask wird sie verkürzt unter dem Account-Namen angezeigt; ein Klick darauf kopiert die komplette Adresse in die Zwischenablage. Anschließend öffnen Sie einfach faucet.ropsten.be im Browser, fügen die Adresse in das Textfeld auf der Seite ein und bestätigen die Anfrage. Nun sollte der Wasserhahn eine Transaktion erzeugen, die sich nach kurzer Wartezeit als Kontostand von „1 ETH“ in MetaMask äußert.

Neben Ropsten gibt es noch einige andere Testnetzwerke, die aber in ihrer Funktionsweise teils deutlich von Ethereum abweichen. Ropsten nutzt den gleichen Konsensalgorithmus wie das Main Net. Kovan, Rinkeby und Görli haben eine „Proof of Authority“-Konfiguration (siehe Kasten in Teil 1), es kann also nicht jeder Interessierte Rechenzeit beisteuern und Blöcke schürfen.

Falls das Ropsten-Faucet nicht funktionieren sollte, eignet sich auch das Görli-­Netzwerk, das ebenfalls in MetaMask zur Verfügung steht. Das dazu passende Faucet ist unter https://goerli-faucet.slock.it zu erreichen.

Um Ether zu überweisen, braucht es selbstredend zunächst ein zweites Konto. Dazu legen Sie in MetaMask einen weiteren Account an, indem Sie auf den runden Knopf ganz oben rechts klicken und dann den Menüpunkt „Account erstellen“ wählen. Alternativ können Sie natürlich auch mit einer anderen Person Ether austauschen.

Für einen Transfer klicken Sie in Meta­Mask auf „Senden“ und tragen die Empfängeradresse ein oder wählen eines Ihrer anderen Konten aus. Die Standardeinstellungen in den Feldern „Gaspreis“ und „Gaslimit“ können Sie getrost übernehmen – Transaktionen kosten ein wenig Ether, unter anderem um die Miner zu entlohnen.

Jeweils ein Klick auf „Weiter“ und „Bestätigen“ schickt die Transaktion ab. Die Bearbeitung obliegt jetzt den Knotencomputern des ausgewählten Testnetzwerks. Je nach Auslastung kann es etwas dauern; neue Blöcke werden zum Beispiel in Ropsten etwas seltener gebildet als im Hauptnetzwerk. Wenn ein neuer Block mit Ihrer Transaktion veröffentlicht worden ist, erhalten Sie von MetaMask eine Benachrichtigung. Unter „Activity“ rufen Sie eine Detailansicht mit zusätzlichen Informationen wie Zeitstempeln ab.

Um sich einen Überblick über die bisher getätigten Transaktionen zu verschaffen, lohnt ein Blick auf den „Blockchain Explorer“ unter https://etherscan.io. Über das Icon rechts oben in der Navigationsleiste kann man das passende Netzwerk auswählen; eine Suche nach der eigenen Adresse fördert die Transaktionen zutage.

Geld im Eisfach

Wenn man nun von Trockenübungen zu echtem Geld übergehen möchte, stellt sich zuerst die Frage, wie man an Ether auf dem Main Net kommt. Faucets, die einfach so Geld liefern, gibt es dort natürlich nicht, man muss stattdessen Euro (oder andere staatliche Währungen) in Ether konvertieren. Dazu braucht man eine Börse, die zwischen Euro und Ether vermittelt. Die Ethereum-Webseite stellt eine Liste von Krypto-Börsen bereit.

Ethereum.org hilft bei der Suche nach Krypto-Börsen und -Wallets. Tipps, wie man die eigenen Ether am besten schützt, findet man dort auch.

Um eine Börse benutzen zu können, muss man sich bei ihr registrieren und – um herkömmliches Geld in Ether tauschen zu dürfen – in der Regel auch über ein Ausweisdokument identifizieren. Die meisten Börsen bieten eigene Online-Wallets an, die die privaten Account-Schlüssel für Sie verwalten. Das heißt aber, dass Ihre frisch eingekauften Ether futsch sein können, wenn es ein Datenleck oder andere Sicherheitsprobleme bei dem Dienstleister gibt. Sie sollten die Ether daher schleunigst in eine lokale Wallet-Software übertragen. Dafür fallen – wie bei allen Transaktionen – Gebühren an.

Wem eine Browser-Erweiterung wie MetaMask als lokales Wallet zu heikel erscheint, der kann zu anderer Software greifen. Die Ethereum-Webseite listet auch dafür einige Möglichkeiten auf. Experten raten oft dazu, den Löwenanteil der eigenen Ether in sogenannten „Cold Wallets“ zu speichern, also Systemen, die nicht mit dem Internet verbunden sind. Das kann spezielle Hardware sein oder auch ein gutes altes Blatt Papier mit dem privaten Schlüssel einer Ethereum-Adresse, welches man in einen (feuerfesten) Safe legt. Die meisten Wallet-Applikationen erlauben, den privaten Schlüssel über Wiederherstellungscodes zu sichern, die sich gut aufschreiben lassen. Damit daraus ein Cold Wallet wird, muss man den Schlüssel natürlich vom Computer löschen.

Letztlich treffen auf Ether ähnliche Abwägungen wie auf Bargeld zu: Geld im Portemonnaie oder einem „Hot Wallet“ ist bequem zu verwalten, kann aber leichter gestohlen werden. Im Safe hingegen ist es sicher, aber umständlich zu benutzen.

Zu guter Letzt bleibt noch der Hinweis auf die starken Wechselkursschwankungen von Kryptowährungen. Möchte man in Ether investieren, so sollte man das nur mit Geld tun, dessen Verlust verschmerzbar ist.

Fazit

Ethereum ist eine Kryptowährung mit minimalen Einstiegshürden. Dank Browser-­Erweiterung und Testnetzen kann man schnell und einfach loslegen. Freilich braucht man für Einkäufe oder andere „produktive" Zwecke reale Ether, für die man Euro eintauschen muss. In Testnetzen kann man aber auch mit selbst programmierten Smart Contracts experimentieren, was wir in Teil 3 zeigen werden.

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