Die Dunbar-Zahl schlägt zu

INNOQ hat die sog. Dunbar-Zahl erreicht. Was an dieser besonders ist, wird in diesem Artikel beschrieben.

Wir spüren, dass INNOQ sich verändert, und wollen herausfinden, wie wir am besten darauf reagieren.

Unser erster Anlauf war typisch analytisch, wie wir in der IT eben gerne Probleme lösen. Zuerst gründlich nachdenken und dann den Rahmen für mögliche Lösungen bestimmen. Anschließend die Lösungsideen finden und diskutieren. Die Lösungsideen müssen in so einem Konstrukt von Experten kommen, bzw. von Leuten, die sich intensiv mit dem Thema beschäftigt haben. Auch das ist typisch IT. Wenn man nicht weiter weiß: Expertin fragen oder mindestens einen Stapel Bücher lesen.

Die Corona-Pandemie würgte das Projekt in 2020 ab, bevor es Ergebnisse liefern konnte. In 2021 starteten wir von vorne mit einer ganz anderen Herangehensweise: Evidenzbasierte Entwicklung, inspiriert vom Design Thinking.

Beobachten

Beim Design Thinking beginnt alles mit der Beobachtung. INNOQ beobachtet sich selbst, wir entwickeln Empathie für uns selbst. Wir sammeln so viel Evidenz ein wie wir können.

In 10 Online-Workshops mit insgesamt 85 Personen, die sich alle freiwillig beteiligt hatten, ausgerüstet mit je einem Miro-Board, zerlegten wir das Thema folgendermaßen:

Pyramide der Beobachtungen
Pyramide der Beobachtungen

Die Themen aus der Pyramide sind in drei Aspekte unterteilt, inspiriert von der Value Proposition Canvas:

  • Tätigkeiten (Jobs)
  • Schmerzen (Pains)
  • Wünsche (Gains)

Wir reflektierten über unser Leben bei INNOQ. Was tun wir, was empfinden wir dabei, was wünschen wir uns?

Hirnstürme

Das Format ist Brainwriting (stilles Brainstorming). Alle denken in Ruhe über ihre eigenen Beobachtungen nach. Wir bildeten Zweiergruppen, damit jemand da ist zum diskutieren bei Bedarf, und weil es in Corona-Zeiten sowieso viel zu einsam zugeht.

Pro Workshop kommen in ca. 1 ½ Stunden bis zu 200 Sticky Notes zusammen. Ein exemplarisches Miroboard aus der Vogelperspektive:

Miro-Board eines Workshops
Miro-Board eines Workshops

Kultur ist grün, Organisation gelb, Werkzeuge blau. Jobs, Pains, Gains haben unterschiedliche Farbintensitäten. Ohne diesen Trick wären wir verrückt geworden beim Auswerten.

Nach 10 Workshops sitzen wir auf einer überwältigenden Evidenz (Zettelhaufen) von gut 1900 Sticky Notes. Was nun? Was können wir aus der Evidenz lernen und wie kommen wir an die “Nuggets” in dem Haufen?

Synthese

Im Design Thinking folgt nach der Beobachtung die Synthese. Darin sind IT-Menschen von Natur aus gut. Wir sind trainiert darin, Kategorien zu bilden und Zusammenhänge zu analysieren.

Wir sortierten die Themen grob in Kategorien (Cluster-Blöcke). Das Cluster-Miroboard entwickelte eine gewisse Wucht:

Cluster-Blöcke
Cluster-Blöcke

Beim Einsortieren fiel uns schnell auf, dass in den Clustern Wiederholungen sind und sich Themen herausschälten. Das blockige Cluster-Format war zwar effizient zum Einsortieren, ihm fehlte aber noch die nötige Feinheit.

Fische mit Wirbeln und Gräten

Tätigkeiten bilden den Wirbel, Schmerzen und Wünsche die sich gegenüberliegenden Gräten.

Ein Wirbelmodul
Ein Wirbelmodul

Es ergab sich eine modulare Struktur aus Segmenten, die wir zu Fischen zusammensetzen konnten. Ein Fisch umfasst ein größeres Thema, wie z.B. Staffing & Hiring, Events, Diskussionskultur, etc.

Module, wie herrlich! Der IT-Mensch fühlt sich wie der sprichwörtliche Fisch im Wasser.

Beispielfisch
Beispielfisch

Der Fischteich

Aus den 1900 Zetteln entstand wie von selbst die INNOQ-Struktur. Im englischen Sprachraum würde man von emerging structure sprechen.

Unser Fischteich sieht derzeit so aus:

Fischteich
Fischteich

Kartoffelknödel dazu

Eine weitere, wichtige Evidenz ist das Feedback aus den Workshops. Wir fragten ab, wie das Projekt, das Workshop-Format, die Zweiergruppe und vieles andere bei den Leuten ankam. Wir nannten es Kartoffelknödel-Rating wegen der gelben Knödel, die auf einer 3x3 Matrix oder einer Skala landeten:

3x3 Feedbackmatrix
3x3 Feedbackmatrix
Kartoffelknödel-Skala
Kartoffelknödel-Skala

Der erste Workshop war anders als der letzte. Die Evidenz half uns dabei, die richtigen Veränderungen zu treffen.

Vertrauen ist Kontrollverlust

Wir haben aus der Beobachtung und Synthese besonders eines gelernt:

Vertrauen

Vertrauen, dass wir von vielen Kolleg:innen freiwillig unterstützt werden, weil sie sich für INNOQ interessieren und engagieren.

Vertrauen darauf, dass jedes Problem auftauchen wird.

Vertrauen auf die Weisheit der Masse.

Vertrauen heißt Kontrolle abgeben. Als Entwickler-Veteran war ich sehr an Kontrolle gewohnt. Ich kontrollierte die Maschine. Evidenzbasiertes Arbeiten, dessen Ergebnisse von vielen anderen Menschen abhängt, ist eine neue, verstörende, und sehr wertvolle Erfahrung. In meiner Rolle als Facilitator muss ich mich darauf konzentrieren, welche Evidenz ich auf welche Weise beschaffen helfen kann.

Next up: Ideation

Im Design Thinking kommt nach der Synthese die Ideation (Ideenfindung). Nach einer expansiven Phase, wie sie die Beobachtung und Synthese sind, folgt in Innovationsprozessen eine selektive Phase, die gezielt einige Themen herausgreift und weiter bearbeitet.

Wir werden aus den Fischen die Wirbelsegmente auswählen, mit denen wir uns beschäftigen wollen. Wir haben Pläne für ein Workshopformat, das uns die nächste Evidenz liefert:

Ideen

Je mehr, desto besser. Die Weisheit der Masse nutzen. Wir erhoffen uns frische Pflänzchen, die wir gut behandeln werden.

Werden wir bekommen was wir uns erhoffen? Wir wissen es noch nicht, aber wir vertrauen darauf.

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