Mein Motto ist Guaranteed Audience of One: Wenn mich ein Thema interessiert, interessiert es bestimmt auch andere.
Sven Johann Senior Consultant
Sven Johann
Bei INNOQ seit 2016.
Tätig als Senior Consultant .
Sven lebt mit seiner Familie in Köln. Als Senior Consultant bei INNOQ beschäftigt er sich mit Themen rund um Softwarearchitektur, die Verbesserung von Legacy-Systemen und Software Delivery. Zuvor hat er sich viele Jahre mit der Modernisierung mittlerer und großer Java-Anwendungen beschäftigt. Er ist akkreditierter Trainer für das CPSA Foundation Level sowie für das Advanced-Level-Modul IMPROVE des iSAQB®. Zudem ist er Host im CaSE sowie im INNOQ Podcast. Ausgleich findet er unter anderem im Sport, der für ihn ein wichtiger Bestandteil seines Alltags ist.
Es herrscht konzentrierte Stille. Auf einem Sofa sitzt Sven, den Laptop auf dem Schoß. Er richtet das Mikrofon aus, überfliegt noch einmal seine Notizen, räuspert sich und drückt auf „Record“. Und schon ist er mittendrin im Gespräch mit seinem Kollegen Michael, der über einen großen Bildschirm in das Podcast-Studio bei INNOQ in Köln zugeschaltet ist.
Heute ist das Thema „Kohäsion“, ein anderes Mal geht es um die Vielschichtigkeit von Plattformen oder Data Contracts. Und genau das ist es, warum Sven zum begeisterten Podcast-Host geworden ist: interessante Themen finden, mit echten Expert:innen darüber sprechen und den Horizont erweitern. Dieser neugierige Blick auf die Welt hilft ihm nicht nur als Podcaster, sondern begleitet ihn schon während seiner ganzen Berufslaufbahn: mit Stationen in den USA und in den Niederlanden, bei seinem Engagement für Fachkongresse oder als iSAQB®-Trainer und auch als Softwareentwickler und Architekt, wo er häufige Technologiewechsel vor allem als positives Feature empfindet.
Im Ausland fand ich immer spannend, dass man am Anfang nichts weiß und sich komplett neu einfinden muss.
Bereits sein Informatikstudium mit Schwerpunkt Technische Informatik begann Sven mit einer gewissen Abenteuerlust: es war Ende der 90er Jahre, die Zeit des Internets hatte gerade begonnen, alles war aufregend und neu. Auch wenn die damaligen Studieninhalte wie Robotik und Künstliche Intelligenz noch nicht so gefragt waren wie heute. Mit dem Software-Engineering kam er eher zufällig in Berührung, als Student beim Fraunhofer Institut in den USA. Dort entwickelte sich sein heutiger beruflicher Schwerpunkt: Softwareentwicklung.
Auch die Zeit an der Ost- und Westküste hat ihn begeistert und hätte er nicht visumbedingt nach Deutschland zurückkehren müssen, wäre er wahrscheinlich länger geblieben. Zurück in Deutschland ließ ihn das Fernweh nicht los: Nach einigen Jahren in Köln zog es ihn nach Wien und später in die Niederlande zu Trifork in Amsterdam.
Berufliche Stationen, die ihn sowohl inhaltlich wie kulturell prägten: das Delivery-fokussierte Arbeiten im Melting Point USA, alles nach dem Motto „getting Shit done“; die hoch effektive und dennoch sehr familienfreundliche Arbeitsweise in den Niederlanden; und auch die sehr strukturierte Herangehensweise in deutschen Softwarefirmen. Schließlich zog er aus privaten Gründen wieder nach Deutschland: Nach der Geburt seiner Tochter versprach der familiäre Background in der Heimat die bessere Vereinbarkeit von Arbeit und Familie. Eine Bedingung, die ein neuer Job in Deutschland ebenfalls erfüllen sollte.
Ich bin Product Owner meiner eigenen Karriere – wenn ich mich nicht kümmere, macht es niemand.
Deshalb hat ein Blogpost von INNOQ-Geschäftsführer Phillip Ghadir über „Familie und INNOQ“ seine Entscheidung, sich bei INNOQ zu bewerben, positiv beeinflusst. Doch gemeinsame Berührungspunkte gab es schon früher: Durch die Kolumne von Stefan Tilkov und Phillip Ghadir im Java Magazin sowie durch andere Veröffentlichungen hatte er INNOQ schon lange als „coolen Laden“ abgespeichert. Später lernte er Stefan Tilkov durch ihre gemeinsame Arbeit im Programmkomitee verschiedener Konferenzen persönlich kennen, beispielsweise bei der QCon in London sowie der GOTO Amsterdam und GOTO Berlin. Auch bei weiteren Begegnungen und in anderen fachlichen Austauschformaten stach INNOQ immer positiv hervor. So war schnell klar, dass er sich bei einer Rückkehr nach Deutschland auch unbedingt bei INNOQ vorstellen wollte.
Bei INNOQ gefällt Sven vor allem das Abwechslungsreiche. Er arbeitet sowohl beratend als auch „hands-on“ und betreut mehrere Kunden parallel. Dabei schätzt er große und herausfordernde Projekte über mehrere Jahre ebenso wie kleine Beratungsprojekte, in denen er weitgehend freie Hand hat. Auch wenn der Wechsel zwischen den unterschiedlichen Kontexten manchmal anstrengend ist, erlebt Sven seine Arbeit als besonders erfüllend – vor allem dann, wenn am Ende alle mit dem Ergebnis zufrieden sind. Unproblematisch sind für ihn häufige Technologiewechsel. Er sieht sie eher als Grund, warum viele sich für Softwareentwicklung entschieden haben, und als klaren Vorteil seines Berufs.
Hinzu kommt bei INNOQ seine Tätigkeit als akkreditierter Trainer für das CPSA® Foundation Level. Er schreibt Artikel, ist Teil des Programmkomittees bei Konferenzen und engagiert sich als Moderator in verschiedenen Audio-Formaten. „Das alles auszubalancieren“, gesteht er bei allem Spaß an der Abwechslung, „ist nicht immer einfach. Aber ich versuche, besser darin zu werden.“
Das Schönste bei INNOQ ist: Keiner steht mir auf den Füßen.
Bei INNOQ schätzt Sven besonders die Balance aus Eigenverantwortung und Teamarbeit: Ein Umfeld, das viel Freiheit bietet, ohne dass dabei der Austausch oder das Miteinander zu kurz kommt. Was ihn gleich zu Beginn beeindruckt hat, war der große Vertrauensvorschuss und die damit verbundenen Gestaltungsspielräume. Dieses Vertrauen geht für ihn aber Hand in Hand mit Verantwortung: Die Mitarbeitenden gestalten ihre Arbeit eigenverantwortlich: Sie setzen eigene Schwerpunkte, bringen Ideen ein, treiben Themen voran, organisieren ihre Zeit und Weiterbildung selbstständig und übernehmen Verantwortung in der Zusammenarbeit mit Kund:innen. Diese Kultur der Eigenverantwortung ist fest verankert, getragen von Teamgeist und gegenseitiger Unterstützung.
Für Sven bedeutet diese Freiheit konkret, dass er seine Arbeitszeit so organisieren kann, dass sich Privat- und Berufsleben flexibel miteinander verbinden lassen. Dass es ihm möglich ist, sich als Mitorganisator bei den GOTO-Konferenzen zu engagieren. Und dass er einer weiteren großen Leidenschaft nachgehen kann: dem Podcasten.
Als Interviewer kann ich die Fragen stellen, die mich interessieren – das macht den Unterschied.
Svens Faszination für Podcasts begann, als er das erste Mal Software Engineering Radio hörte, ein englischsprachiges Format für Softwareentwickler:innen. Den Expert:innen aus der Branche zuhören zu können, ohne eine Konferenz zu besuchen, begeisterte ihn sofort. So entstand nach und nach der Wunsch, selbst zum Interviewer zu werden, selbst Themen und Gesprächspartner auszuwählen. Die Gelegenheit bot sich, als er 2014 Stefan Tilkov kennenlernte. Er war bereits Host bei Software Engineering Radio und holte nach dem Gespräch auch Sven mit ins Boot. Ein paar Jahre später, Sven arbeitete inzwischen bei INNOQ, gründeten die beiden zusammen mit weiteren Kolleg:innen den CaSE-Podcast (Conversations about Software Engineering), wo sich Sven bis heute als Moderator engagiert. 2023 ergab sich schließlich die Gelegenheit, einer der Hosts beim INNOQ Podcast zu werden. Der Unterschied zwischen beiden Gesprächsreihen ist vor allem die Auswahl der Gesprächspartner:innen. Bei CaSE werden die Personen ganz frei ausgewählt, während er beim INNOQ Podcast mit internen Expert:innen über Tech-Themen spricht. Dabei gefällt ihm, dass seine Kolleg:innen oft selbständig mit interessanten Themen auf ihn und Anja, als das Moderatoren-Team zukommen. Die Gespräche finden oft remote im Homeoffice statt. Dafür hat Sven die notwendige Audio-Ausstattung zuhause. Im Kölner Büro gibt es auch manchmal Aufnahmen. Die Dynamik mit Gästen vor Ort ist besser, aber das Video-Setup auch aufwendiger. Spannend findet Sven am Podcasten auch die Vor- und Nachbereitung: sich intensiv mit dem gewählten Thema auseinanderzusetzen und tiefer einzutauchen.
Ich strebe die 90-Prozent-Lösung an – wenn mal etwas nicht klappt, ist das auch okay.
Die Vorbereitung auf die nächste Sendung findet dann durchaus auch mal beim Sportverein von Svens Tochter statt, während der Wartezeit. Denn in seinem Alltag ist Berufliches und Privates nicht strikt getrennt. Im Gegenteil: er schätzt es, dass er beides so flexibel unter einen Hut bringen kann. Schließlich zählt er seine Familie zu seinen wichtigsten Hobbys und es ist ihm sehr wichtig, möglichst viel Zeit mit seiner Tochter zu verbringen. Fahrdienste zu nachmittäglichen Aktivitäten kann er dabei oft mit einer späten Mittagspause vereinbaren und Wartezeiten können eben auch mit administrativen Tätigkeiten gefüllt werden.
Sein Tagesablauf ist von festen Routinen geprägt, zumindest an den Tagen im Homeoffice. Dann steht er um sechs Uhr auf und macht Sport, entweder in seinem kleinen Gym oder auf dem Rollentrainer mit dem Rennrad. Ist er unterwegs bei Kund:innen, beginnt der Tag oft anders: Morgens bleibt selten Zeit für Sport, aber manchmal nutzt er abends die Gelegenheit für eine Laufrunde oder besucht das Fitnessstudio vor Ort.
Wichtig sind für ihn im Joballtag auch konzentrierte Zeitslots, in denen er sozusagen auf Autopilot wichtige Aufgaben erledigt, nach dem Motto „getting shit done“. Für Weiterbildungen verfolgt er das Prinzip der kleinen Schritte oder wie Sven es nennt: „a paper or a chapter a day“. Und selbstverständlich sind auch die Vorbereitungen für die GOTO-Konferenzen und die Podcasts automatisch immer Fortbildung, ebenso wie die reale Anwendung von Technologien bei beruflichen Projekten.
Ich hätte nie gedacht, dass Deutsch mal wichtig wird – aber sich ausdrücken zu können, ist zentral für die Softwareentwicklung.
Für junge Menschen, die gerne ins Software-Engineering einsteigen wollen, hat er einen guten Rat: Einfach ausprobieren! Sich in der Freizeit Programmierprojekte suchen und loslegen, wenn man in der Schule keine Gelegenheit bekommt. Erst wenn man daran Freude hat, rät er zu einem Praktikum. So bietet beispielsweise INNOQ Schulpraktika an. Spaß an Mathematik und Physik hilft natürlich auch. Unterschätzt hatte er selbst, wie wichtig es ist, sich in diesem Beruf auch sprachlich gut ausdrücken zu können. Seinem 15-jährigen-Ich würde er deshalb heute empfehlen, sich in allen Fächern anzustrengen. Denn man weiß nie, wie wichtig es einmal wird. Außerdem rät er Studienanfängern, sich nicht zu sehr von KI-Diskussionen verunsichern zu lassen. “Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen”. Seiner Meinung nach werden sich IT-Berufe verändern, aber nicht alle verschwinden. Die Werte, die für ihn wirklich wichtig sind, sind Wissbegierde und Leistungsbereitschaft – nur so kann man sich weiterentwickeln.