Theo, wo stehen Unternehmen heute, wenn sie das Training bei uns buchen?

Die Tools sind meist schon da. GitHub Copilot oder Claude sind in vielen Unternehmen ausgerollt. Was fehlt, ist ein strukturierter Weg, den Leuten diese Werkzeuge wirklich an die Hand zu geben. Zugespitzt formuliert lautet die Botschaft an die Teams dann oft: „Ihr habt ein neues Tool, jetzt macht mal was Sinnvolles damit.“ Die Wissensstände sind dabei sehr unterschiedlich. In fast jedem Team gibt es einzelne Personen, die deutlich weiter sind als der Rest, einfach weil sie sich intensiver damit auseinandergesetzt haben.

Und welche Ziele verfolgen die Unternehmen mit dem Training?

Vor allem eine Professionalisierung. Dass man diese Werkzeuge nicht nur einsetzt, sondern versteht, wann und wie man sie sinnvoll einsetzt. Die Teams sollen auf ein gemeinsames Basislevel kommen. Dafür sollten sie sich das Wissen nicht aus verstreuten Quellen zusammensuchen müssen, sondern es von jemandem vermittelt bekommen, der entsprechende Erfahrung mitbringt. Dass sich ein Team auf eine gemeinsame Art zu arbeiten einigt, steht dabei selten explizit im Vordergrund. Dabei lohnt sich genau das. Wenn ein Team eine gemeinsame Arbeitsweise findet und Dinge wie Skills, Konfigurationen und Erfahrungen teilt, profitieren alle davon.

Ihr gebt das Training jetzt seit einem Jahr. Wie hat sich der Wissensstand der Unternehmen in dieser Zeit entwickelt?

Es gibt eine leichte Verschiebung. Die Wahrscheinlichkeit ist heute höher, dass Unternehmen auf uns zukommen, die schon Erfahrung gesammelt haben. Aber es gibt nach wie vor viele, die relativ am Anfang stehen. Die Bandbreite bleibt groß, im Schnitt bewegt es sich aber Richtung mehr Erfahrung.

Schulen Unternehmen eher einzelne Personen oder ganze Teams?

Viele schicken Vertreter:innen aus verschiedenen Teams ins Training, einige melden gleich komplette Teams an. Und es gibt Unternehmen, die das Thema richtig in die Breite tragen: Ein Kunde von uns hat seine Entwicklungsmannschaft großflächig durchgeschult, als internes Angebot auf freiwilliger Basis. Dahinter steckt das klare Ziel, alle für diese neue Ära der agentischen Softwareentwicklung fit zu machen. Die Tools zu beherrschen ist das Mindeste. Mittel- und langfristig geht der Trend meiner Wahrnehmung nach genau dahin, die Leute in der Breite zu befähigen.

Wir erleben in vielen Projekten: Der Nutzen von KI in der Softwareentwicklung hängt weniger vom Tooling ab – sondern auch davon, wie gut Teams verstehen, wann und wie sie diese Werkzeuge einsetzen. Genau das vermitteln wir im Training.

Roman StranghönerSenior Consultant und Trainer, INNOQ

Was ist die Kernidee des Trainings?

Wir vermitteln vor allem die Methodiken und Praktiken hinter dem Thema und betrachten generative KI über den gesamten Entwicklungsprozess hinweg, nicht nur bei der Erzeugung von Code. Das eigentliche Tooling ist dabei zweitrangig. Ein wichtiger Bestandteil ist Spec-Driven Development. Bin ich in der Lage, Anforderungen präzise zu formulieren? Kann ich das Ergebnis bewerten? Wie bettet sich das in meinen Entwicklungsalltag ein? Und wo habe ich sonst noch Potenzial in meinem Prozess, diese Werkzeuge einzusetzen? Am Ende müssen die einzelnen Schritte so verknüpft sein, dass das Ganze auch im Zusammenspiel den Nutzen bringt, den man sich erhofft.

An wen richtet sich das Training – und welches Vorwissen braucht man?

Die Hauptzielgruppe sind Entwickler:innen und Softwarearchitekt:innen. Man sollte programmieren können und mit dem üblichen Tooling einer Entwicklungsumgebung umgehen, also mit dem, was heute ohnehin zur Basis gehört. Denn auch im Training hat man am Ende des Tages wieder mit Code zu tun. Für Product Owner und Projektmanager:innen bieten wir übrigens speziell zugeschnittene Varianten an.

Hand aufs Herz: Was kann ein dreitägiges Training nicht leisten?

Wir können im Training nur begrenzt auf die konkreten Gegebenheiten des einzelnen Unternehmens eingehen. Erste Ideen und Denkanstöße geben wir gerne mit, wenn sich eine Diskussion ergibt. Aber die Herausforderung, das Gelernte im eigenen Team und Unternehmen zum Laufen zu bringen, können wir in drei Tagen nicht lösen. Wo die konkreten Bottlenecks liegen und wie sich agentisches Arbeiten in den Gesamtprozess einbettet, zeigt sich erst im Alltag.

Was brauchen Unternehmen denn, damit das Gelernte im Alltag wirklich ankommt?

Vor allem die passenden Rahmenbedingungen, also eine entsprechende Infrastruktur, aber auch eine Kultur des Experimentierens und der Fehlerfreundlichkeit. In dem Feld ist so viel in Bewegung, dass die Leute Zeit brauchen, um dranzubleiben und Dinge auszuprobieren. Jede:r Einzelne und jedes Team muss den eigenen Weg finden, mit diesen Werkzeugen zu arbeiten. Hilfreich ist generell, wenn Lernen und Fortbilden im Unternehmen einen festen Platz haben.

Welche Rückmeldungen bekommt ihr von den Teilnehmenden?

Durchweg positive, vor allem zum Inhaltlichen. Was mich besonders freut: Jede:r kann etwas mitnehmen, selbst Teams, die schon tief im Thema stecken. Wir hatten Trainings, bei denen die Teilnehmenden so weit waren, dass man sich als Trainer:in schon auf die Zehenspitzen stellen musste, um auf Augenhöhe zu sprechen. Und trotzdem sind auch die mit neuen Perspektiven und Praktiken rausgegangen.

Kein Sales-Pitch, sondern echte Learnings und praktische Erfahrungen, die uns bei der KI-Nutzung im Software Development Lifecycle wirklich weitergebracht haben.

Tobias QuelleCIO, Brack Alltron AG

Du hast die Rahmenbedingungen angesprochen, die es braucht, damit agentisches Arbeiten im Alltag ankommt. Wie unterstützt ihr Unternehmen dabei, das Gelernte nach dem Training in die Organisation zu tragen?

Da gibt es mehrere Wege. Mit unserem Agentic Engineering Accelerator helfen wir, das Thema im Team zu verankern und zu beschleunigen. Wir bauen gemeinsam mit dem Kunden Know-how auf, setzen die Infrastruktur auf und bringen kurzfristig mehr Kapazität rein, damit das Team schneller ins produktive Arbeiten kommt. Dazu streuen wir punktuell themenfokussierte Workshops und Vorträge ein, etwa zu Security oder Tokenkosten. Für das Security-Thema gibt es inzwischen auch ein eigenes zweitägiges Training: Agentic Software Security.

Und dann gibt es noch eine Ebene darüber. Je besser die Rahmenbedingungen sind, organisatorisch wie technisch, desto mehr Wirkung kann agentisches Entwickeln entfalten. Mit einer sauberen Architektur kann ein Agent schlicht besser arbeiten. Im Zweifelsfall lohnt es sich also, Modernisierungsarbeiten anzustoßen oder den Gesamtprozess anzuschauen. Wenn ich statt zwei Tagen nur noch einen Tag zum Programmieren brauche, das Ticket danach aber zwei Wochen in irgendeinem Briefkasten liegt, habe ich nichts gewonnen. Genau da hilft uns unser Fundament, denn Softwarearchitektur und Modernisierung sind ja seit jeher unsere Kernthemen.

Zum Schluss ein Blick nach vorn: Irgendwann sind alle geschult – was dann?

Der Bedarf am Basistraining wird vermutlich irgendwann zurückgehen, ganz verschwinden wird er aber nicht, weil immer wieder Leute neu ins Berufsfeld einsteigen. Die eigentliche Aufgabe der nächsten Jahre ist das, worüber wir eben gesprochen haben: agentisches Arbeiten an den eigenen Use Cases zu erproben und so in Prozesse und Organisation einzubetten, dass aus dem Produktivitätsboost Einzelner ein Gewinn für das ganze Unternehmen wird. Gerade in gewachsenen Enterprise-Umgebungen ist das ein gutes Stück Arbeit. Und genau dabei begleiten wir Unternehmen auch über das Training hinaus.

Und wohin entwickelt sich agentische Softwareentwicklung? Welche Themen rücken als Nächstes in den Fokus?

Vor allem der Blick über die Entwicklung hinaus. KI wird künftig in allen Phasen der Softwareentwicklung eine Rolle spielen, vom Verstehen der Anforderungen bis zum Feedback aus der Nutzung. Wir sind zum Beispiel jetzt in der Lage, schneller zu bauen. Aber solange wir nicht das Richtige bauen, gewinnen wir keine Kundenzufriedenheit. Das Bottleneck verschiebt sich damit von der Entwicklung hin zu Rollen wie dem Product Owner. Wie verstehe ich mit KI die Bedürfnisse der Kund:innen besser? Wie komme ich besser an Anforderungen? Wie ermittle ich, was Nutzer:innen mit meiner Software eigentlich machen?

Wohin das führen kann, hat mein Kollege Daniel Westheide kürzlich im Blogpost “The Agentic Trio” beschrieben. Agentische Entwicklung macht Delivery so schnell, dass ein kleines Team aus Produktmanagement, UX-Design und Engineering Discovery und Delivery gemeinsam übernehmen kann. Die frei werdende Kapazität fließt dann nicht in mehr Output, sondern in die Frage, ob man überhaupt die richtigen Probleme löst.

Daneben wird es zunehmend darum gehen, KI nicht nur als Werkzeug im Entwicklungsprozess zu nutzen, sondern sie in die eigene Software einzubauen und diese Systeme betreibbar, wartbar und sicher in Produktion zu bringen. Das ist noch mal eine eigene Disziplin, und für viele Unternehmen fängt diese Phase gerade erst an. Die Reise geht also weiter – und sie führt deutlich über die Softwareentwicklung hinaus.

Du willst dein Team fit machen für agentische Softwareentwicklung?

Alle Informationen zum Agentic Software Engineering Training, zum Agentic Engineering Accelerator Programm und zu unseren weiteren Angeboten wie Agentic Software Security findest du auf unserer Website. Bei Fragen melde dich gerne direkt bei Theo Pack.