Remote Training, funktioniert das?

Lernen von zu Hause aus

Heimarbeit hat sich mittlerweile – mehr oder weniger freiwillig – bei den meisten Unternehmen in der IT durchgesetzt. Doch beim Thema Schulungen sind viele noch skeptisch, ob das funktionieren könnte. Wir haben es für das iSAQB-Modul BLOCKCHAIN ausprobiert.

Beim Blockchain-Training geht es nicht nur um Grundlagen der Kryptografie, verteilte und dezentrale Systeme und neuartige Architekturmuster, sondern eine interaktive Wissensvermittlung mit zahlreichen Übungen steht im Vordergrund. Das gesamte Material ist auf drei Tage zu je sechs Stunden verteilt, was Vor- und Nachteile hat: zum einen bietet es die Möglichkeit, gleichzeitig einen breiten Überblick und ein tiefes Verständnis über die zahlreichen Blockchain-Technologien zu bieten. Andererseits stellt diese Menge an Inhalt eine Herausforderung dar, wenn man sie aus der Ferne vermitteln möchte.

Wir alle nehmen nun schon seit vielen Wochen an Zoom-, Slack-, Teams- und anderen Meetings teil und stellen fest, dass es im Gegensatz zu Präsenzmeetings oft schwerer fällt, sich zu konzentrieren. Diese Schwerigkeit multipliziert sich, je länger das Meeting bzw. die Veranstaltung dauert.

Aus unserer Sicht helfen folgende Gesichtspunkte für die Planung einer längeren Remote-Sitzung; sei es Workshop, Schulung oder anderes:

  1. klare Struktur mit gleichmäßigen Arbeitspaketen
  2. häufige, großzügig bemessene Pausen
  3. verstärkte Gruppenarbeit unter den Teilnehmer*innen
  4. technische Unterstützung mit Tools, die ähnliche Arbeitsumgebungen wie in Meetingräumen bieten

Für einen initialen Lauf haben wir die Blockchain-Schulung mit sechs Kolleg*innen verprobt. Als Trainer habe ich einen Windows-Laptop mit Zoom und Powerpoint benutzt. Dabei lief die Präsentation auf dem Laptop und wurde per Screensharing übertragen, wohingegen der Presenter View von Powerpoint eine Übersicht der aktuellen und der folgenden Folien auf dem externen Monitor sichtbar waren.

Ein virtuelles Whiteboard mit Klebezetteln und -punkten
Ein virtuelles Whiteboard mit Klebezetteln und -punkten

Die Übungen haben wir mit Miro durchgeführt, eine Webapplikation für virtuelle Whiteboards. Wie es bei uns gängig ist, habe ich das Training mit einer interaktiven Einführungsrunde eröffnet, um das Vorwissen und die Erwartungen der Teilnehmer*innen zu erfahren. In Miro können mehrere Personen kollaborativ am gleichen virtuellen Whiteboard arbeiten, was gerade solche dynamischen Phasen stark vereinfacht und für alle Beteiligten einfach Spaß macht. Aus meiner Sicht erfordert dieser Ansatz sogar weniger Vorbereitungszeit, da man – im Gegensatz zu realen Flipcharts o.Ä. – die Boards einfach kopieren kann.

Im Rahmen der Inhaltsvermittlung haben wir ungefähr 45 Minuten „frontale“ Erklärung mit Übungen und Pausen abgewechselt. So war sichergestellt, dass die Aufmerksamkeit nicht abdriftet. Für die Übungen nutzten wir die Breakout-Räume von Zoom: im Vorhinein habe ich die Teilnehmer*innen in drei Zweiergruppen aufgeteilt und entsprechend Unterräume in Zoom angelegt. Während der Übungsphasen waren dann die Zweiergruppen unter sich und bekamen ggf. ein eigenes Whiteboard gestellt. Als Trainer konnte ich problemlos zwischen den Gruppen umherspringen und Fragen beantworten. Im Anschluss sind wieder alle in den Meetingraum zurückgekehrt, haben ihre jeweiligen Lösungen präsentiert und in der großen Runde diskutiert, sowie wenn nötig von mir korrigiert oder ergänzt.

Die wichtigste Lektion der Übungen war für mich, dass einerseits der Modus mit den Zweiergruppen in separaten Räumen sehr gut funktioniert, andererseits klares Timeboxing essentiell ist. Denn im Gegensatz zu einem Präsenzmeeting ist es schwieriger, mit einer lauten Stimme Durchsagen für alle Teilnehmer*innen zu machen.

Am Nachmittag des dritten Schulungstages gab es zudem eine längere Übung, bei der zwei Dreiergruppen eine Architektur für ein größeres Szenario selbstständig mittels Blockchain-Technologien erstellen sollten. Auch dieser Übungsmodus hat sehr gut geklappt. Längere selbstständige Arbeitsphasen haben dafür gesorgt, dass die Inhalte weiter vertieft werden konnten.

Ein gewichtiger Vorteil für alle Beteiligten in einer Remote-Umgebung ist, dass ich als Trainer jederzeit bei inhaltlich komplexen Fragen live eine Suchmaschine benutzen oder in der Literatur nachschlagen kann, ohne dass das den Trainingsfluss unterbricht. Das kommt natürlich auch den Teilnehmer*innen zu gute, die jederzeit aktuelle Informationen bekommen können. Für Trainer*innen setzt das natürlich voraus, dass sie gut vorbereitet sind und wissen, wie und wo sie suchen müssen.

Als persönliches Fazit ziehe ich für mich, dass auch mehrtägige Schulungen funktionieren können, sofern man ein taugliches Konzept hat. Gerade die häufigen Übungen wurden von den Teilnehmer*innen sehr positiv bewertet. Auch wenn die gesetzlichen Einschränkungen nach der Pandemie wieder zurückgefahren werden, könnte sich herausstellen, dass verstärkte Remote-Modelle sich bewährt haben und viel Overhead gegenüber Präsenz wegfällt (z.B. Anreise und Unterkunft).

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