Semantic SOA für die Deutsche Bank

Unter dem Arbeitstitel SURF (Semantic Understanding of Relationships and Facts) erprobte die Deutsche Asset Management (DeAM, Deutsche Bank Group) 2009 den Einsatz semantischer Verfahren in ihrer serviceorientierten Architektur. innoQ Mitarbeiter unterstützen bei Modellierung, bei der Konzeption und bei der Umsetzung von Prototypen. Am Ende ging zunächst ein Common Message Schema (CMS) in Produktion, das eine unternehmensweit einheitliche Datenrepräsentations-Schicht für Services und Messaging bietet.

SURF umfasste jedoch neben dem CMS auch eine "Financial Business Ontology (FBO)" und ein "Semantic Message Dictionary (SMD)", deren Fortführung erst einmal der Bankenkrise zum Opfer gefallen sind.

Financial Business Ontology (FBO)

Aus semantischer Sicht ist die FBO zweifellos das Kernstück von SURF. Die Interoperabilität der Unternehmensinformation insgesamt leidet grundsätzlich unter einer unscharfen Abgrenzung der Wertpapierarten zwischen den verschiedenen Handelsmärkten und unter der Dynamik, mit der neue Typen eingeführt werden. Vor allem das unternehmensübergreifende EDM Council Semantics Repository arbeitet an dieser Stelle langfristig an konsensfähigen Definitionen und Abgrenzungen und dokumentiert die Ergebnisse in der Universal Modelling language (UML). innoQ Berater vermittelten zwischen EDM und der internen Diskussion der DeAM, während Entwickler sich mit der Transformation aus UML in Sprachen des Sematic Web auseinandersetzten. Konkret ging es hier um die Konvertierung von Enterprise Architect XMI in RDF(S)/OWL mit Hilfe von Topbraid Composer.

Wie so oft bedingen sich hier semantische und technische Herausforderungen gegenseitig: die intellektuelle Klärung von "shared concepts" auf der einen Seite ist nicht von der "Übersetzung" zwischen traditionellen formalen Sprachen in die des Semantic Web zu trennen.

Canonical Message Schema (CMS)

Im Rahmen des SOA Master-Data-Managements DeAM wurde zunächst parallel ein Common Message Schema (CMS) in XML entwickelt, das eine unternehmensweit einheitliche Datenrepräsentations-Schicht für Services und Messaging bieten soll.

Ziele waren z.B. vollständige Abbildung aller Daten, semantische Transparenz, modulare Komposition und Versionierung, durchgängige Namenskonventionen, Toleranz vs. Präzision, Einsatz von Elementen und Attributen, realistische Annahmen über das Verhalten der Nutzer, Erweiterbarkeit und abwärtskompatible Versionen, praktische Interoperabilität.

Es ging hier vor allem um ein kanonisches Nachrichtenformat in XML. Dazu der zuständige DeAM Projektleiter:

"Why a common schema structure? Because The Message is the Truth as all other Systems/Applications/Services map to/from consistent Schemata"

Als dieses Vorhaben in eine kritische Phase eingetreten war, wurde SURF einbezogen. SURF ging natürlich nicht davon aus, das alle (auch externen) Teilnehmer des Informationsnetzes dieses CMS bereitwillig übernehmen würden. Daher legte SURF größten Wert auf eine systematisches Management heterogener Nachrichtenflüsse mithilfe eines Semantic Message Dictionary.

Semantic Message Dictionary (SMD) und TradeInfoHub

Das SMD registriert alle Teilnehmer des Informationsnetzes mit ihren spezifischen Themen und Nachrichtenformaten. Die Themen werden auf Konzepte der Financial Business Ontology (FBO) abgebildet, während für die spezifischen Formate Transformationsroutinen registriert werden. Mit Rückgriff auf diese Informationen kann der TradeInfoHub alle eingehenden Nachrichten zunächst in das Canonical Message Schema (CMS) transformieren und von dort an alle Teilnehmer in ihrem speziellen Format ausliefern.

Ein weiteres Anwendungsfeld war die Zuordnung allgemeiner Börsennachichten zu speziellen Anlagetypen über die FBO, um damit automatisierte Allerts an die zuständigen Mitarbeiter auszulösen.

Ein erster Prototyp wurde mit dem Jena Semantic Web Framework for Java implementiert, die Weiterentwicklung fiel aber der bereits erwähnten Bankenkrise zum Opfer.

SURF aus heutiger Sicht

Die DeAM hat 2009 auf diesem Gebiet mit Unterstützung von innoQ Pionierarbeit geleistet. In dieser Zeit war der semantische Ansatz noch nicht so weit entwickelt, dass er ein unternehmenskritisches Asset dargestellt hätte. Die damals anvisierten Geschäftsvorteile sind zweifellos auch heute hochaktuell, die hinterlegte Technologie hat sich jedoch erheblich weiterentwickelt. Heute käme die Organisation des Master-Data-Managements ingesamt in Form eines unternehmensinternen Linked Data Netzwerks in Betracht.